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am 4. Dezember

Neue Regierung will mit Bildung zurück ins letzte Jahrhundert

Regina Petrik - GRÜNE Burgenland fordern Befragung von LehrerInnen

„Vieles ist bildungspolitischer und pädagogischer Rückschritt“, ist der erste Befund der GRÜNEN Burgenland zu den Plänen der zukünftigen Bundesregierung im Kapitel Bildung. Zwar gibt es ein paar positive Ansätze, wie der Ausbau der Ganztagsbetreuung oder die Aufwertung der Schülerparlamente, aber das Verständnis von Bildung, das zum Vorschein kommt, ist verheerend. „Das ist ein Retourgang ins letzte Jahrhundert“, stellt Regina Petrik, Landes- und Bildungssprecherin der GRÜNEN Burgenland fest. „Statt auf Motivation und Förderung zielt vieles auf Bestrafung und Selektion ab. Entscheidungen werden ohne seriöse wissenschaftliche Analyse und unter Missachtung langjähriger Erfahrungen in der Praxis getroffen. Schon die ersten Stellungnahmen von Sebastian Kurz und Heinz Christian Strache zeigen, dass es ihnen mehr um einen ideologischen Umschwung als um die besten Lernchancen für Kinder und Jugendliche geht.“

Ein gescheitertes System wird wiederbelebt

Richtig ist die Wahrnehmung, dass immer mehr Kinder und Jugendliche nicht sinnerfassend lesen und nur mangelhaft schreiben und rechnen können. Dieses Problem gibt es schon länger, funktionaler Analphabetismus ist nichts Neues. Das alte Schulsystem, das zu eben diesem Umstand geführt hat, soll unter der schwarz-blauen Bundesregierung einzementiert werden. Damit werden auch die Schwachstellen einzementiert. Richtig ist auch, dass dem Erlernen der Deutschen Sprache mehr Augenmerk geschenkt werden muss. Mit neuen Herausforderung in der Bildungspolitik braucht es aber neue Antworten, denen sich ÖVP und FPÖ seit vielen Jahren fundamental verschließen. Dabei bräuchte es endlich eine grundlegende Erneuerung des Schulsystems, damit Kinder wieder mit Freude Lernen können zu persönlichen Leistungen motiviert werden.

Die Rede von der „Notenwahrheit“ ist eine Lüge

Dass Noten irgendetwas mit Wahrheit zutun hätten, widerlegen viele Untersuchungen. Lehrpersonen beurteilen höchst unterschiedlich und die Bewältigung eines vielfältigen Lehrstoffs kann niemals in einer Schulnote Abbildung finden. Die Schulen, die in den letzten Jahren Schulversuche zu neuen Formen der Leistungsbeurteilung durchgeführt haben, haben das nicht aus Spaß am Formulare Ausfüllen getan, sondern aus pädagogischen Überlegungen heraus. Sie haben mit viel Erfahrung, Wissen und Engagement Wege der bestmöglichen Lernmotivation für Kinder gesucht und in verschiedenen Formen gefunden. All das wollen ÖVP und FPÖ jetzt einfach vom Tisch wischen. Ein plumpes Belohnungs- und Bestrafungssystem soll einer differenzierten Sichtweise der Leistungsbeschreibung weichen. Das hat pädagogisch noch nie langfristig geklappt, weder bei Kindern noch bei Erwachsenen.

Lehrerbashing statt Lösungen

„Bezahlung nach Leistung“, heißt eine weitere Devise von Kurz und Strache, wobei völlig unklar ist, was als Leistung der LehrerInnen definiert wird und wie das gemessen werden kann. Welcher „Output“ kann denn gemessen werden, wenn die Regierung „Output-orientierung“ einführen will? „Den Stil, den die Koalitionsverhandler in die Diskussion einbringen, wirkt auf mich wie Lehrerbashing“, meint Petrik. „Er bedient Ressentiments Lehrern gegenüber, indem die Beurteilung ihrer Arbeit zum Ausgangspunkt von Bezahlung gemacht wird. Es gibt keinen einzigen seriösen Hinweis darauf, wie sich die Herren das vorstellen. Da werden mehr Emotionen geschürt als Lösungen von Problemen erarbeitet.“

Bildungsforschung muss ernstgenommen, nicht eingeschränkt werden

Schwarz-Blau erweist sich nicht nur gegen jegliche Ergebnisse aus der Bildungsforschung resistent, egal ob aus nationaler oder internationaler wissenschaftlicher Sicht, sondern will auch gleich das eigene Bildungsforschung eliminieren. Die Botschaft scheint klar zu sein: Bringt ein Forschungsinstitut Ergebnisse, die nicht in die schwarz-blaue Ideologie hineinpassen, dann wird es kurzerhand abgedreht.

Mitbestimmung der Eltern sollte nicht einschränkt werden

Was besonders auffällt, ist der Schwenk der ÖVP in Sachen Mitbestimmung von Eltern. Bestand sie bei früheren Änderungen im Schulwesen immer auf das Mitbestimmungsrecht der Eltern, ist dieses nun nicht mehr wichtig. Als die Möglichkeit der verbalen Leistungsbeurteilung im Regelbetrieb eingeführt wurde, verlangte die ÖVP eine Bindung an die Zustimmung des Klassen- bzw. Schulforums. Nun will sie selbst diese Entscheidungen aushebeln und die Zwangsbenotung wieder einführen. Auch hier zeigt sich erneut: Entscheiden Eltern nicht so, wie es der Ideologie von ÖVP oder FPÖ entspricht, entzieht man ihnen einfach wieder das Mitbestimmungsrecht.

GRÜNE fordern: Lehrerinnen und Lehrer im Burgenland befragen

Viele unsere Lehrerinnen und Lehrer sind sehr engagiert und haben wertvolle Erfahrungen in der Entwicklung neuer Lernmethoden und bei der Leistungsförderung der Schülerinnen und Schüler. Ihre Erfahrungen müssen in bildungspolitischen Entscheidungen einbezogen werden. Daher sollte im Burgenland unverzüglich eine Befragung von LehrerInnen durchgeführt werden, in der sie zu ihren Erfahrungen der neuen Leistungsbeurteilung und zu aus ihrer Sicht nötigen Reformen im Schulwesen befragt werden. An den Ergebnissen dieser Befragung sollte sich die weitere Schulentwicklung im Burgenland orientieren.

„Wir müssen alles uns mögliche tun, um die neu errungene Autonomie für Schulen zu erhalten und eine pädagogisch und bildungspolitisch sinnvolle, faktenbasierte Schulentwicklung voranzutreiben“, fordert Regina Petrik. „Denn alle Kinder brauchen gerechte Chancen, gezielte Förderung und vor allem Lehrpersonen, zu denen sie eine gute Beziehung aufbauen können, dann lernen sie auch gut lesen, schreiben und rechnen.“