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am 18. Juli

Weniger Tierleid durch Weideschlachtung

Regina Petrik - Wer Fleisch isst, muss die Schlachtung eines Tieres dafür in Kauf nehmen. Der Stress, dem die Tiere dabei ausgesetzt sind, müsste aber nicht so groß sein, wie es derzeit noch der Fall ist. Denn noch fehlt die gesetzliche Grundlage dafür, den Tieren die Qualen der vorbereitenden Handlungen und des Transports zu ersparen. Das wollen die GRÜNEN im Burgenland ändern.

Regina Petrik, Landessprecherin der GRÜNEN bezieht sich dabei auch auf das Tierschutzgesetz, das in §32 vorgibt, dass die Tötung eines Tieres nur so erfolgen dürfe, dass jedes ungerechtfertigte Zufügen von Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwerer Angst vermieden wird. Die Hausschlachtung ist nur für den Eigenverbrauch erlaubt. Wer das Fleisch verkauft oder im eigenen Gastronomiebetrieb verarbeitet, muss die Tiere zu einem Schlachtbetrieb transportieren. Das wollen die GRÜNEN den Tieren im Burgenland ersparen. „Gerade die vorbereitenden Handlungen bei der Schlachtung, wie etwa das Einfangen oder Trennen von der Herde, das Verladen und der Transport zum Schlachthof stellen für das Tier enorme Stress- und Angstfaktoren dar. Das führt auch zu einer Verminderung der Fleischqualität. Werden Tiere in ihrem gewohnten Lebensumfeld geschlachtet, dann können diese Grausamkeiten vermieden werden“, erklärt Regina Petrik ihr Engagement für eine andere Art der Schlachtung.

„Gerade für die für das Burgenland so wichtigen regionalen bäuerlichen Landwirtschaften wäre die Ermöglichung der stressfreien Schlachtung am eigenen Hof ein wichtiger Schritt, um den gesamten Prozess von der Aufzucht über die Schlachtung bis zur Vermarktung selber kontrollieren zu können“, meint Petrik. „Das ist nicht nur im Sinne des Tierwohls, sondern das hält auch die Wertschöpfung am Hof und damit in der Region. Daher ist in der Gesetzgebung besonderes Augenmerk darauf zu legen, dass stressfreie Schlachtung am Hof für Kleinbäuerinnen und Direktvermarkter kostengünstig und mit kleinstmöglichem technischem Aufwand umsetzbar wird.“

Die GRÜNEN haben bereits einen entsprechenden Antrag im Landtag eingebracht. Darin fordern sie die Möglichkeit, mobile Schlachtanlagen zum Ab-Hof-Verkauf und bei Rindern in ganzjähriger Weidehaltung die Weideschlachtung zu bewilligen.


„Stressfreie Schlachtung am eigenen Hof ist nicht nur im Sinne des Tierwohls, sondern das hält auch die Wertschöpfung am Hof und damit in der Region.“
Regina Petrik, Landessprecherin

WUNSCH VIELER BÄUERINNEN UND BAUERN

„Viele Bauern und Bäuerinnen wollen die Tiere, die sie auf ihren Höfen großziehen, auch in ihrem vertrauten Lebensumfeld am Hof schlachten dürfen. Das ist im Sinne des Tierwohls,  im Sinne der Wertschöpfung am Hof und auch im Sinne der Konsumentinnen und Konsumenten, weil diese erwarten, dass Tiere nicht unnötig leiden müssen. Zudem hat Fleisch von Tieren, die nicht unter extremem Stress geschlachtet wurden, eine weitaus bessere Qualität“, sagt Irmi Salzer, selbst Biobäuerin und EU-Agrarexpertin.

Zivilgesellschaftliche Organisationen und die GRÜNEN arbeiten seit Jahren daran, die „Stressfreie Schlachtung im gewohnten Lebensumfeld der Nutztiere“ mit kostengünstigen praktischen Lösungen zu ermöglichen. In Oberösterreich hat nach einem Antrag der GRÜNEN der zuständige Landesrat im Juni bekanntgegeben, dass gewerbliche und bäuerliche Schlachtunternehmen den Schlachtvorgang auch außerhalb des Schlachthofs – also auf der Weide oder auf dem Hof – durchführen können, vorausgesetzt, sie erfüllen einige technische Anforderungen. Vorarlberg zieht gerade nach, nun soll nach Vorstellung der GRÜNEN das Burgenland folgen.

„Der GRÜNE Erfolg in Oberösterreich zeigt, dass Beharrlichkeit, Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft und gute Ideen letztendlich zum Ziel führen. Jahrelang haben die österreichischen Verantwortlichen den Ball an die EU weitergegeben und behauptet, dass ihnen die Hände gebunden wären. Dabei ist die stressfreie Schlachtung im gewohnten Lebensumfeld mit der EU-Gesetzgebung ohne weiteres vereinbar. Das Burgenland soll nun schnellstmöglich den oberösterreichischen Weg einschlagen und die nötigen Rahmenbedingungen erarbeiten, damit Bäuerinnen und Bauern ihren Tieren das Leid auf dem Weg zu den Schlachthöfen ersparen können“, so Salzer.


„Es gibt Tiere, bei denen das Einfangen und Verladen großen Stress verursacht. Für diese macht die Weideschlachtung wirklich Sinn.“
Bernhard Liszt, Landwirt und Gastronom in Leithaprodersdorf

DIE BESTE LÖSUNG FÜR TIERE UND BETRIEB SUCHEN

Leidliche Erfahrung mit den Grenzen der derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen machte der Landwirt und Gastronom Bernhard Liszt. Für seinen Heurigenbetrieb züchtet er selbst Freilandschweine, bei der Qualität der Speisen will er keine Kompromisse eingehen. Doch für die Schlachtung muss er die Tiere zu einem Schlachter transportieren. Da ihm das Schlachten am Hof verwehrt wurde, musste er für seinen Betrieb eine gangbare Lösung finden. „Den größten Stress für das Tier verursacht das Einfangen. Dafür habe ich nun einen Käfig entwickelt, in den sich die Tiere von selbst begeben, wenn sie dort besonderes Futter finden. Da das Schwein gleich in diesem Käfig auf den Transporter gehoben wird, erspare ich ihm den enormen Stress des Ein- und Ausladens“, zeigt sich Liszt mit seiner Methode zufrieden. „Ich hatte das Glück, einen wirklich guten Schlachter in zumutbarer Entfernung zu finden.“ Da dies aber nicht für alle Tierarten und nicht für alle Bauernhöfe möglich ist, unterstützt Bernhard Liszt die Initiative der GRÜNEN. „Es gibt Tiere, bei denen das Einfangen und Verladen großen Stress verursacht. Für diese macht die Weideschlachtung wirklich Sinn.“

Letztlich sei auch für die Endverbraucherin wichtig, wie das Tier geschlachtet wird, meint Regina Petrik abschließend: „Geschmacklich macht es jedenfalls ein Unterschied, ob ein Tier bei der Schlachtung großem Stress ausgesetzt war oder nicht. Wer für höchste Fleischqualität ist, muss daher auch für stressfreie Schlachtung sein.“