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am 21. April 2015

5 vor 12 für Biene Maja

Wolfgang Spitzmüller - Nach hohen Ausfallsraten bei Bienenvölkern: Grüne fordern 10-Punkte-Programm zur Rettung der Bienen.

Die burgenländischen ImkerInnen haben nach dem Winter 2014/2015 hohe Ausfallsraten zu beklagen. Der milde Winter hat den Befall mit der Varroamilbe geradezu explodieren lassen. Die dadurch geschwächten Bienen sind anfälliger für Virenerkrankungen. Mit dem Beginn der Flugsaison kommt noch die systemische Belastung mit Spritzmitteln dazu.

Wolfgang Spitzmüller, Landtagsabgeordneter der Grünen, beklagt die massiven Konsequenzen der zunehmend industrialisierten Landwirtschaft auf die Bienen. „Honigbienen sind Umweltanzeiger. Die großen Probleme in der Imkerei, die wir seit Jahren beobachten, lassen sich nicht zuletzt auf den Chemie-Einsatz in der Landwirtschaft und die zunehmende Verarmung unserer Kulturlandschaft zurückführen“, so Spitzmüller. „Da es immer weniger artenreiche Wiesen gibt, weil wir einerseits immer weniger Wiederkäuer halten und andererseits für die Silageproduktion sehr früh und sehr oft gemäht wird, finden die Bienen auch immer weniger Nahrung. Der Spritzmitteleinsatz schwächt die Bienen noch zusätzlich und macht sie anfälliger für Krankheiten und Parasiten wie die Varroamilbe. All diese Belastungen führen zur Verendung ganzer Völker“, so Spitzmüller weiter.

Aufgrund der zahlreichen Komplett-Ausfälle können Bienen zur Zeit kaum nachgekauft werden. Ein Imker, der Tiere in einer Bienenzeitung angeboten hatte, hat 150 Anrufe auf sein Inserat erhalten. Ein anderer Erwerbsimker hat nach den langjährigen Problemen nun die Imkerei aufgegeben.

NACH WIE VOR BIENENGIFTIGE MITTEL IM EINSATZ

Trotz des Verbots einiger bienengiftigen Beizmittel sind nach wie vor zahlreiche Pestizide im Einsatz, die Bienen schwächen oder sogar zu ihrem Tod führen. Die Bekämpfung von Schädlingen im Raps oder von Drahtwürmern beim Kartoffelanbau erfolgt nach wie vor mit äußerst bienengefährlichen Substanzen. Christiane Brunner, Umweltsprecherin der Grünen im Nationalrat aus dem Burgenland, erklärt: „Trotz des Protestes von ExpertInnen wurde heuer Fipronil mittels einer Notfallzulassung für den Einsatz gegen den Drahtwurm erlaubt. Dabei ist die bienenschädigende Wirkung dieses Giftes gut dokumentiert, und es war letztes Jahr in Österreich – wie in vielen EU-Ländern – verboten.“

Besonders alarmierend ist, dass Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide, die für die Landwirtschaft verboten sind, für den Schädlingsbekämpfungseinsatz in Haushalt und Garten nach wie vor erhältlich sind. In einer neuen Studie kommt die EASAC – der europäische Verbund nationaler Wissenschaftsakademien – zum Schluss, dass die Neonicotinoide nicht nur die Honigbiene, sondern auch andere Bestäuberinsekten, wie beispielweise Solitärbienen, Schmetterlinge oder Hummeln massiv schädigen. Zudem seien Rückstände dieser Wirkstoffe in der Nahrungskette zu finden und damit auch für Vögel und andere Tiere gefährlich.

BIENENSCHUTZ GESETZLICH AUSWEITEN!

Christiane Brunner fordert daher eine Verlängerung und Ausweitung der Verbote bienengefährlicher Pestizide: „Das vorläufige Verbot dreier Substanzen in Österreich ist bei weitem nicht ausreichend. Nur 20% der in der Landwirtschaft verwendeten Neonicotionoide sind von dem Verbot betroffen. In Frankreich wurde bereits ein Gesetz gegen den Einsatz von Neonicotinoiden in allen Anwendungsbereichen – also im Ackerbau, in Privatgärten, und auf öffentlichen Flächen – eingebracht. Das Burgenland könnte eine Vorreiterrolle einnehmen und den Gebrauch dieser Bienengifte zumindest auf öffentlichen Grünflächen untersagen.“ Die Bekämpfung des Buchsbaumzünslers beispielsweise erfolge allzu oft mit Pestiziden, die Neonicotinoide enthalten.

Um dem Bienensterben Einhalt zu gebieten, fordern Brunner und Spitzmüller ein 10-Punkte-Sofortprogramm nach dem Vorbild Vorarlbergs.

  • Erarbeitung eines Pestizidreduktionsprogramms für die Landwirtschaft
  • Verbot des Einsatzes von bienengefährlichen Mitteln auf öffentlichen Flächen
  • Keine Ausbringung von umfassend wirksamen Unkrautvernichtungsmitteln auf Landesflächen
  • Verstärkte Varroa-Bekämpfung, um dadurch Bienenkrankheiten zu minimieren
  • Unterstützung der Zucht unserem Klima angepasster, robusterer Bienenvölker
  • Unterstützung bei der verstärkten Anlage von Bienenweiden und Blühpflanzen für Insekten in Wiesen, öffentlichen Grünflächen, Firmengeländen sowie an Straßenrändern
  • Einführung eines Programms "Naturvielfalt in der Gemeinde" nach dem Vorbild Vorarlbergs
  • Unterstützung der Arbeit der ImkerInnen durch eine Leistungsabgeltung an die Imkervereine
  • Verstärkte Information und Bewusstseinsbildung der Bevölkerung für ein bienenfreundliches Verhalten
  • Finanzielle Unterstützung von NeuimkerInnen

„Wenn wir nicht jetzt rasch Maßnahmen für den Bienenschutz ergreifen, sind die Folgen wohl weder absehbar, noch bezahlbar“, so Spitzmüller und Brunner unisono.

OHNE GIFT IN HAUS UND GARTEN

So schlecht waren unser Großeltern mit ihren Hausmittelchen gegen allerlei Plagegeister in Haus und Garten gar nicht unterwegs. Durch das Aufkommen chemischer Giftkeulen im vergangenen Jahrhundert sind die vielen natürlichen Mittel aber leider in Vergessenheit geraten. Dabei ahnen wir noch gar nicht, welche Langzeitschäden durch den unbedachten Einsatz von Giften in unserem Haus und Garten auf uns zukommen. Wir sagen: Hände weg von Mitteln mit Hinweisen wie „Gefährlich für Schwangere und Kleinkinder, Haustiere“ oder „Gefährlich für Bienen, Vögel und Wasserorganismen“.

Alternativen sind dabei oft einfach herzustellen, wie etwa ein ungiftiges Spritzmittel für Topfpflanzen: Mischen Sie einen Liter Wasser mit 10 ml Brennspiritus und 20 g Schmierseife. Damit besprühen Sie 2-3 Mal pro Woche Ihre Pflanzen – und die Blattläuse gehen baden…